Wieviel Privates ist politisch?

Wer sich mit Themen der sozialen Gerechtigkeit beschäftigt, z.B. als Feminist_in, Behindertenaktivist_in, Antirassist_in uvm, kommt in der Regel an irgendeinem Punkt nicht mehr umher sich auch mit Fragen der eigenen Positionierung und eigenen Lebenserfahrungen auseinander zu setzen. Dies trifft marginalisierte Menschen umso mehr, da das Politische (unfreiwillig) Teil ihres Alltags ist. Während beispielsweise als Schwarze Menschen selten die Wahl haben ob sie sich auch in ihrer Freizeit mit Rassismus beschäftigen möchten, können weiße Menschen sich entscheiden ob sie sich ihre eigene Position im System und ihre Privilegien genauer angucken möchten.

Ich bin eine Schwarze, psychisch erkrankte Frau. Meine aktivistischen Themen beinhalten unter Anderem Feminismus, Sexismus, (Anti-)Rassismus, psychische Erkrankungen und Ableismus. Die meisten Themen über die ich schreibe und spreche sind per se für mich persönlich. Dabei ist es eine Sache für mich zu wissen, was mich von meinen Worten gerade wie persönlich betrifft, aber eine ganz andere Frage wie viel ich davon nach außen preisgebe. Eine gewisse Offenheit ist für (meine) aktivistische Arbeit notwendig, da zum Einen nur durch persönliche Erlebnisse gewisse Argumente an Inhalt und Wert gewinnen und zum Anderen auch der Akt des „Schweigen brechens“ bereits massiv politisch und empowernd sein kann.

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Rassismus, Antisemitismus und sexualisierte Gewalt

[CW Sexualisierte Gewalt, Rassismus, Antisemitismus, Erwähnung des Holocaust, der Kolonialzeit und Lynchmorden]

Anmerkung: Bei Teilen dieses Blogposts handelt es sich um aktuelle Ereignisse. Als ich angefangen habe diesen Blogpost zu schreiben, gab es noch kein Statement der Kölner Polizei zu dem zitierten Tweet. Ich werde mir vorbehalten diesen Blogpost um Zitate, Nachrichtenmeldungen, Links und alles was mir sonst noch wichtig erscheint, zu ergänzen.

 

In Köln kam es, wie auch in ein paar anderen Städten, an Silvester 2015/2016 zu zahlreichen sexualisierten Übergriffen. Viele dieser Übergriffe waren sexuelle Belästigungen im Zusammenhang mit Taschendiebstählen, andere wiederum reichten von sexueller Nötigung bis zur Vergewaltigung. Sind solche Übergriffe widerlich, und sollten wir als Gesellschaft alles Mögliche tun um Menschen vor sexualisierter Gewalt zu schützen (und Betroffene zu unterstützen)? Verdammt nochmal, JA! Sind solche Fälle wie in Köln ungewöhnlich? Leider nein.

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Warum ich Vergewaltigung nicht so witzig finde wie Wiesenhof

[CW Sexualisierte Gewalt, rape culture, Vergewaltigungswitz. Erwähnung von Selbstverletzung und Suizid]

 

 

Das Fleischunternehmen Wieshof hat mehrere Werbespots mit Atze Schröder gedreht. In einem Werbespot bewirbt Schröder „die größte Wurst des Sommers“ (sic) mit den Worten: „Danach müssen Gina und Lisa erstmal in die Trauma-Therapie“. Eine Anspielung auf die Vergewaltigung von Gina Lisa Lohfink. Mal wieder ein billiger Vergewaltigungswitz im Fernsehen.

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Warum ich „Schland“ nicht feiern kann/will

[CW Nationalismus, Rassismus, Antisemitismus]

 

Es ist wieder Männer Fußball EM. Wie alle zwei Jahre hängen in deutschen Vorgärten, an deutschen Autos, auf deutschen Balkonen usw. massenhaft schwarz-rot-goldene (oder auch mal schwarz-weiß-rote) Flaggen.

 

„Endlich traut sich Deutschland mal wieder Nationalstolz zu zeigen“, heißt es. „Das ist doch nur harmloser Patriotismus“, heißt es.

Nationalstolz‘ bedeutet laut Definition von Duden.de: „Gefühl des Stolzes, einer bestimmten Nation anzugehören“.

Patriotismus‘ definiert Duden.de als: „[begeisterte] Liebe zum Vaterland; vaterländische Gesinnung“.

Wikipedia erklärt: „Als Patriotismus wird eine emotionale Verbundenheit mit der eigenen Nation bezeichnet“.

 

Was ist eigentlich diese Nation Deutschland, die wir jetzt endlich – soo lange™ nach dem Holocaust – endlich alle mal lieben sollen? Wie sieht dieses Land für das ein bisschen Stolz „endlich“ wieder angesagt ist im Jahr 2016 aus?

Hier ein kleiner Überblick:

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Du bist ok

[CW victim-blaming, sexualisierte Gewalt]

 

 

Diese Worte gehen an dich. Du, di_er da irgendwo vor dem PC sitzt und dich in meinen Worten wieder findest. Du wurdest vergewaltigt. Oder vielleicht kannst du auch (noch) nicht benennen, was dir passiert ist. Weiterlesen…

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Psychiatriekritik

Diesen Post habe ich vor fast einem Jahr geschrieben. Ich hatte in lange Zeit auf Passwortgeschützt eingestellt, unter Anderem da sich einige meiner Ansichten mittlerweile stark geändert haben und ich überlegte ob ich diesen Post in der Fassung überhaupt nochmal veröffentlichen möchte. Dennoch sehe ich in dem Text thematisch wichtige Punkte, die ich teilweise auch heute noch genau so vertrete. Zudem finde ich es durchaus legitim, auch offen zu legen wenn sich Ansichten verändert haben, und sehe den Post als eine aus meinem damaligen Blickwinkel sinnvolle Momentaufnahme. Mittlerweile würde ich vermutlich mich deutlicher zu Psychiatriegewalt, und wesentlich kritischer gegenüber dem heutigen psychiatrischen System äußern (nicht nur, aber auch in Bezug auf Zwangsmaßnahmen). Fürs Erste belasse ich es bei meinem damaligen Text, und halte es mir offen zu einem späteren Zeitpunkt noch mehr zu dem Thema zu schreiben.

 

 

 

[CN Erwähnung von Psychiatriegewalt, Diskriminierungen, Zwangsmaßnahmen, und Suizidalität]

 

Zunächst einmal für diejenigen, die noch nie mit psychiatrischen und/oder psychosomatischen Kliniken zu tun hatten, ein grundlegender Überblick über das psychiatrische System und seinen Aufbau. Wer schon gewisse Grundkenntnisse in der Thematik hat, kann die Einleitung gerne überspringen.

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Rape Culture und rassistische Doppelmoral

[Starke CW] Vergewaltigung, Belästigung, rape culture, Rassismus]

 

 

Da war der Typ im Zeltlager, der mich belästigte als ich 11 war.

Da war die Gruppe von Typen im Kino, die mir mehrfach an den Hintern grapschten, als ich 13 war.

Da war der Mann, der mich sexuell nötigte als ich 17 war.

Da war der Mann, der mich ein paar Jahre später vergewaltigte. Zufälligerweise an Silvester.

 

Wisst ihr was diese Jungs und Männer aus den genannten Erlebnissen (neben ihrem Geschlecht) gemeinsam hatten? Sie sind weiß und deutsch.

Wäre diese Tatsache in einer Rassismusfreien Welt wichtig? Nein. Leben wir in einer Rassismusfreien Welt? Nein.

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Betroffene ODER „Expertin“

In unserer Gesellschaft herrscht eine Schein-Dichotomie zwischen den Begriffen „Betroffene“, „Aktivist_in“, und „Expert_in“. Im Auge der meisten Menschen kannst du nur eins davon sein. Alles drei geht auf gar keinen Fall.

Sobald du „Betroffene“ bist, wird dir jegliche fachliche Expertise abgesprochen. Im Gegenzug, sobald du „Expert_in“ bist, wird bei dir jegliche (persönliche) Betroffenheit weggedacht.

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Ein paar Links zum §177

[Content Notion: Sexuelle Gewalt. Trigger Warnung für alle Links]

 

In den letzten Tagen wurde (nicht nur) im Netz wieder verstärkt über den Paragrafen §177 StGB, der den Tatbestand der sexuellen Nötigung und der Vergewaltigung regelt, diskutiert. Leider deckt dieser Pargraf nur einen kleinen Anteil an Vergewaltigungen und sexuellen Nötigungen ab, viele Fälle sind bis heute nicht strafbar. Deswegen wird schon seit langem eine Reform des Paragrafens gefordert und von diversen Organisationen und Verbänden gefordert.

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